Jesus spricht: «Was ihr den Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan» (Mt 25)
Seit 10 Jahren im Pastoralraum Wandflue
Lebensmittel retten und sie dorthin bringen, wo sie fehlen
Seit 10 Jahren retten Freiwillige im Pastoralraum Wandflue jede Woche tonnenweise Lebensmittel, die für den Handel nicht mehr in Frage kommen. Sie sind jedoch bedenkenlos zu verzehren. Lebensmittel, die mit einem Haltbarkeitsdatum versehen sind, kann man zum Teil weit darüber hinaus geniessen. In Grenchen gibt es für diese Waren ein Logistiklager. Die gemeinnützige Organisation «Tischlein deck dich» verteilt diese an Armutsbetroffene.
Auch in Grenchen werden jede Woche auf diese Weise Einzelpersonen, Paare oder Familien unterstützt, die bedürftig sind. Für den Einkauf benötigt es eine Bezugskarte. Diese werden jährlich ausgestellt bei der Caritas, den Kirchen, der Mütterberatung, Pro Senectute oder auf dem Sozialamt.
Frau Christa Brotschi und ihr Team prüft dann im Eusebiushof die gelieferte Waren: Obst, Gemüse, Pilze, Chips, Konserven, Käse, auch Fleisch. Aus dem Logistiklager werden die Waren jeden Freitag gabracht. Mit viel Aufwand werden sie dort sortiert. Die geretteten Produkte werden in Säcken zusammengestellt und zur Abgabe bereit gestellt.
Gudula Metzel: Wer seid ihr?
Christa Brotschi: Wir - das sind jeden Freitag 16 Freiwillige, die in zwei Gruppen arbeiten. Die Anfrage für eine Ausgabestelle kam vor 10 Jahren. Ich hatte schon immer gedacht, das wäre doch auch eine sinnvolle Aufgabe hier in Grenchen. Die kath. Kirche stellt seit Beginn den Raum im Eusebiushof kostenfrei zur Verfügung. Das Team hat sich über ein Inserat in der Zeitung gefunden. Jährlich verteilen wir hier Waren im Wert von Ca. SFr. 12000.-
Gudula Metzel: Die Lebensmittel sind noch geniessbar?
Christa Brotschi: Es handelt sich zum Teil um verformte, zu klein geratene Produkte oder solche mit Verpackungsfehlern. Ausserdem gibt es ja einen Unterschied zwischen Ablaufdatum im Verkauf und dem eigentlichen Verfallsdatum. Die Waren werden durch uns kontrolliert. Und dann ist es uns ein Anliegen, dass wir diese gerecht verteilen können.
Seit Corona bekommt jede Kundin/ jeder Kunde einen von uns zusammengestellten Sack, den die Kunden für SFr. 1.- bezahlen.
Die Abrechnung geschieht dann mit dem Verein Tischlein-Deck-dich.
Gudula Metzel: Erhaltet ihr auch Produkte von Bauernhöfen?
Christa Brotschi: Das nicht, aber manchmal bekommen wir Spenden vom Turnverein oder privater Unterstützung.
Gudula Metzel: Die Arbeit für die Freiwilligen ist intensiv. Seid ihr danach nicht sehr müde?
Christa Brotschi: Wir packen fest an, bekommen aber auch wieder viel zurück. Ja, nach einem Nachmittag sind wir erschöpft. Doch wir haben den Teamgeist gestärkt und erhalten auch spannende Einblicke in Lebenssituationen.
Wir tragen auch dazu bei, Lebensmittel zu retten. Manchmal sehen wir auch, wie zum Teil sinnlos produziert wird. Z. B. eine Erdbeersuppe, die kaum geniessbar war. Wir alle haben einen Ehrencodex und dürfen keine Spenden annehmen.
Das Team ist einmal im Jahr an der GV des Vereines zum Dankesessen eingeladen. Neben der Freude unserer Kundinnen und Kunden ist das der Dank für unser Engagement.
Gudula Metzel: Liebe Christa, ich bedanke mich bei dir und allen den Helferinnen und Helfern für die ausserordentlich wertvolle Arbeit zu Gunsten von Armutsbetroffenen in unserer Gemeinde. Habt ihr einen Wusch für eure Arbeit?
Christa Brotschi: Ich habe da noch einen Wunsch! Wir suchen jung und alt, Frauen und Männer, die bereit sind, einmal im Monat einen Nachmittag lang einen sinnvollen Einsatz zu leisten. Interessierte dürfen sich gerne bei mir melden (Christa Brotschi, Grenchen).
Das Interview führte Gudula Metzel