Wandflue 3. Advent

Dritter Advent

Wunschzettel

Den Wunschzettel zu Weihnachten füllte ich als Kind immer frühzeitig und sorgfältig aus – aus Angst, der Weihnachtsmann könnte meine krakelige Schrift nicht entziffern. Viele der Wünsche, die ich auf die Zettel schrieb, waren typische Kinder-Klassiker, etwa eine Modelleisenbahn, ein Fussball oder ein Plattenspieler. Ein Wunsch aber, das erzählte mir meine Mutter Jahre später, brachte sie zum Weinen. Ich schrieb in einem Jahr oben auf meinen Wunschzettel: "Ich wünsche mir, dass Cyrill wieder gesund wird." Cyrill, mein kleinerer Bruder, war von Geburt an geistig behindert. Es war kein materieller Wunsch – und doch war er viel grösser als alles, was in Geschenkpapier passt.

Der Wunsch ging nicht in Erfüllung, aber er zeigt: Die wirklich wertvollen Wünsche sind nicht jene, die man mit Geld kaufen kann, sondern jene, die aus dem Herzen kommen. Sie tragen etwas in sich, das weit über das Materielle hinausgeht, und zeigen, wovon und wofür wir leben, was wir brauchen, kurz: sie zeigen uns, auf was wir warten.

Der heutige 3. Adventssonntag – er heisst Gaudete, freut euch! –, stellt diesen Gedanken ins Zentrum. Er lädt uns dazu ein, uns Gedanken über das Eigentliche zu machen und uns über das zu freuen, was an Gutem in unserem Leben unterwegs ist. Diese (Vor-)Freude beginnt nicht erst mit der Erfüllung – im Glauben also mit der Geburt Jesu an Weihnachten – sondern viel früher und zwar im Vertrauen darauf, dass Gottes Ja uns vorausgeht. Es ist eine Freude, die sich schon im Warten ihre Bahn bricht.

Mit diesem Blick können wir heute, am 3. Advent, auch unsere eigenen Wünsche in den Blick nehmen: die kleinen und die grossen, die erfüllbaren und die unerfüllbaren. Sie erzählen von unserer Sehnsucht und davon, was uns wichtig ist. Manchmal kann es helfen, solche Wünsche aufzuschreiben – so wie ich es als Kind gemacht habe. Der folgende Text von Peter Schott mit dem Titel Wunschzettel greift diesen Gedanken auf.

 

Ich sammle meine Wünsche

in Gedanken, Erinnerungen –

auch aus meinem Herzen –

und schreibe sie auf Papier.

Freundschaft ist dabei.

Frieden macht ganz frei.

 

Ich sammle meine Wünsche

in Gedanken, Erinnerungen –

auch aus meinem Herzen –

und schreibe sie auf Papier.

Liebe soll alles sein.

Zuversicht wär auch ganz fein.

 

Ich sammle meine Wünsche

in Gedanken, Erinnerungen –

auch aus meinem Herzen –

und schreibe sie auf Papier.

Gerecht auf allen Wegen.

Dazu noch Gottes Segen.

 

Ich sammle meine Wünsche

in Gedanken, Erinnerungen –

auch aus meinem Herzen –

und schreibe sie auf Papier.

 

Noch vieles kann ich schreiben.

Ich lass es niemals bleiben.

Vertraue dir und mir:

Geduldig ist Papier.